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SCHLAGZEILEN VOM FREITAG, 03. SEPTEMBER 2010
Montag, 29. Juni 2009
Eglisau Ein Sportfest, das die Prominenz zum Beigemüse werden lässt
Die den Teufel das Fürchten lehren
Manche Drachen sind so schön, dass kein Mann sich darum schert, ob sie zu fürchten wären. Und manche Drachen sind so wild, dass sie zu fürchten sind.
Rolf Haecky
 
Andere Teams waren schneller, aber die Ladys vom Drachenboot Girlscamp lachten und freuten sich auch über den 3. Platz. (Thierry Haecky)
 
Besonders, wenn sie durch den Fluss pflügen, derweil sie ihre Greifer tief in die schäumenden Fluten tauchen und den dunkelgrünen Strom gleich literweise in ihr Inneres schaufeln, als wollten sie ihren Artgenossen auf der Jagd nach dem Pokal das Wasser abgraben. Und wieder andere Drachen sind so schnell, dass den andern keine Zeit bleibt, um sich zu fürchten. Kurz: Das Drachenboot-Rennen in Eglisau ist wie Juckpulver für die Nerven und alle Sinne. Gestern liessen die Eglisauer in brütender Hitze alle ihre Konkurrenten hinter sich und siegten in der Kategorie Elite open.

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450 Meter flussabwärts von der Burg bis zum Salzhausplatz, das ist die Rennstrecke. Zwei Minuten dauert der Spuk jeweils. Wer glaubt, Paddelsport sei tierisch ernst und nur etwas für eine verschrobene Minderheit, irrt sich. Genauso wie der sich irrt, der annimmt, Zweiminutenrennen, Strandatmosphäre und heisse Rhythmen, das könne nichts anderes als Partyspass bedeuten und habe mit seriösem Sport und Muskelkraft wenig zu tun. Selbst wenn über dem ganzen Anlass wie am vergangenen Wochenende ein Hauch von Familienfest, Schickeria-Dünkel und Chilbi-Tohuwabohu liegt.

Am Ufer erinnert die Atmosphäre an ein Grümpelturnier mit vielen kleinen und grossen Könnern. Nur dass die Helden des Tages statt über einen Rasen über das Wasser jagen und dass sie Blessuren und aufgeplatzte Blasen an den Händen statt an den Füssen davontragen. Und dass mehr Leute an Land Wurst essend, Eis lutschend und Bier trinkend herumsitzen und -tanzen als paddelnd auf dem Rhein um Sekunden kämpfen. Dabei gerät der Rhein – die Bühne, auf der sich die wahren Dramen abspielen – manchmal fast ein wenig in Vergessenheit. Darum sei an dieser Stelle der Blick aufs Wasser gelenkt.

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Natürlich sind jene Drachen, die am Start wild um sich spritzen und auf den ersten Rennmetern dauernd Gefahr laufen, ihre «Flossen» heillos ineinander zu verknoten, die Drachenbabys, die unerfahrenen, deren 21-köpfiger Leib ein wenig tollpatschig über die Wellen torkelt, erst nach und nach an Boden – «äxgusi» – an Fluss gewinnen, derweil die geübten Drachen ruhig und synchron ihre Flossen in den Rhein graben und sich kraftvoll nach vorne schieben.

Das Drachenboot-Rennen in Eglisau ist ein Turnier der Mädchen und Buben, der Plauschpaddler und Sonntagsfahrer, aber vielmehr noch ein Kräftemessen der Giganten. Nach den Vorläufen vom Samstag und Sonntag der total 60 Plauschmannschaften und 4 Elite-Mannschaften warten alle gespannt auf die Finals – der Moment, in dem plötzlich eine fiebrige Nervosität auf einen Schlag einen Teil der Gäste an Land und zu Wasser befällt. Andere wiederum tanzen trotz der mörderischen Hitze weiter, ohne sich darum zu kümmern, was um sie herum geschieht.

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Rufen, Pfeifen, Klatschen: Am Ufer feuern sie die Teams aus allen Rohren an, sodass diese sich, vorangepeitscht von ihren Trommlern wie dereinst die Sklaven auf den römischen Galeeren, gewaltig ins Zeug legen. Und wenns auch nur ein kurzes Rennen ist: Der Rhein zehrt an den Kräften der Ruderer und laugt sie richtig aus. Doch sie halten durch, paddeln verbissen weiter, geben keinen Meter preis, ringen um jede Hundertstelsekunde.

Meistermässig gewinnen am Schluss die Überflieger in der Kategorie Fun Mixed Wasser unter ihrem Bootkiel und lassen die andern hinter sich. In der Kategorie Fun open triumphieren die C2H5OH; den Sieg unter den Frauen holt sich schliesslich das Team Splashers. Und wie bereits erwähnt, in der Kategorie Elite open gewinnt der Drachenboot-Club Eglisau.

 
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