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| SCHLAGZEILEN VOM FREITAG, 03. SEPTEMBER 2010 |
| Donnerstag, 09. Juli 2009 |
| Bülach Berufswahlschüler fordern ein härteres Jugendstrafgesetz als manche Politiker |
| «Hier ist man zu nett zu jugendlichen Tätern» |
| Dass 16-Jährige der Berufswahlschule (BWS) Küsnacht Fremde blutig geschlagen
haben, finden die Schüler der Bülacher BWS völlig unverständlich – und wehren sich gegen ihren schlechten Ruf.
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| Kathrin Morf |
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| Tamara (von links), Nik, Nadja und Gian-Marco diskutieren den «Fall München». (kam) |
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«Das ist unterste Schublade», sagt Nik zum «Fall München». Vergangene Woche schlugen drei Küsnachter Jugendliche in der bayerischen Hauptstadt vier Männer spitalreif. Genau wie die Täter besucht Nik eine Berufswahlschule (BWS) – und ist sich bewusst, dass diese Form der Zwischenlösung nicht den besten Ruf geniesst.
«Wir gelten als die Dummen, die keine Lehrstelle finden», erklärt Gian-Marco. «Zumindest für die Bülacher BWS ist dieser Ruf aber falsch.» Dumm seien er und seine Kameraden keineswegs. Und nur 4 von 18 Schülern von Lehrer Christian Vogel entschieden sich für die BWS, weil sie keine Lehrstelle fanden. «Ich wusste einfach nicht, was ich werden will», erzählt Gian-Marco, der nun eine Lehre zum Informatiker beginnt.
Die Jugendlichen glauben indes nicht, dass der Vorfall in München das Ima- ge von Berufswahlschülern weiter verschlechtert. Dem Image von Teenagern schade der Vorfall jedoch. «Wir gelten sowieso schon als schlecht», so Nadja. «Es ist doch nicht gerechtfertigt, schlecht von Jugendlichen zu denken, nur weil ein paar wenige zuschlagen.»
Nicht in Bülach – oder doch?
«Die Täter von München griffen zu dritt von hinten an, verprügelten sogar einen Behinderten», ruft Remo den anderen ins Gedächtnis, «wenn jemand sie dumm angemacht und nur einer sich gewehrt hätte, dann wäre das zwar immer noch falsch gewesen – aber eher nachvollziehbar.» Tamara nickt und ergänzt: «In Ordnung ist Gewalt aber nur, wenn man richtig angegriffen wird, das ist doch logisch.» Dabei geschehe ein Angriff schneller als erwartet. «Manche Jugendliche sieht man an, und schon fühlen sie sich schräg angemacht», erzählt Nik. Bis anhin habe er aber keine Schläge einstecken müssen, «zum Glück».
Dass auch Bülacher BWS-Schüler wegen Gewalt in die Schlagzeilen geraten könnten, glaubt Sandra nicht. «Ich weiss niemanden, der dafür in Frage käme», sagt sie. «Das ist doch an jeder Schule möglich, gewaltbereite Schüler gibt es überall», widerspricht Nadja. Die Bülacher finden indes andere Möglichkeiten, um ihrer Aggressionen Herr zu werden – zum Beispiel den Kampf um ein Stück Hartgummi. «Ich spiele Hockey. Da geht es zwar rau zu und her, aber man ist geschützt», erzählt Marco.
Erst gewalttätig, nun feige
Auf wenig Verständnis stösst bei den Jugendlichen, dass die Münchner Täter den Konsum von Alkohol als Entschuldigung anführen. «Das ist feige», sagt Tamara. «Sie sollen zu ihren Taten stehen, die Konsequenzen tragen und nicht nach Ausreden suchen.»
Dass die 16-jährigen Küsnachter das Gefängnis vielleicht erst in zehn Jahren verlassen dürfen, finden die Unterländer angebracht. «Die Strafe muss hart sein, damit sie so was nie wieder tun», so Tamara. Die Schläger sollen ausserdem in Deutschland bleiben, meint Nik: «Hier ist man zu nett zu jugendlichen Tätern.»
Empört sind die Bülacher schliesslich über die Tatsache, dass die Goldküsten-Zöglinge sich mit Grausamkeiten für die grosszügige Abschlussreise nach München «bedankten». «Sie dachten wohl: Dort kennt uns niemand, dort können wir zuschlagen und dann in die Schweiz zurückfahren, ohne dass uns etwas passiert», ist Remo überzeugt. Die Abschlussreise der Bülacher ist heute und führt nach Luzern – es herrscht ein striktes Alkoholverbot. |
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