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| SCHLAGZEILEN VOM DONNERSTAG, 09. SEPTEMBER 2010 |
| Mittwoch, 25. November 2009 |
| Unterland Der «Problemwurm» aus China liebt Gemüse |
| Ein schädlicher Gast |
| Er soll schon in Gewächshäusern der Schweiz aufgetaucht sein: der Chinesische Fadenwurm. Noch wähnen sich die Unterländer vor ihm sicher – doch von blossem Auge sieht man ihn nicht. |
| Florian Schaer |
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| Gestatten, der Chinesische Fadenwurm. Hier der Kopf des Männchens. (zvg) |
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Gerade mal 0,5 Millimeter ist er lang – und er liebt, was die meisten Kinder gar nicht mögen: Gemüse. Der Chinesische Fadenwurm knabbert unter anderem an den Wurzeln von Gemüsepflanzen. 2008 ist der ungemütliche Wurzelgast zum ersten Mal in der Schweiz gefunden worden. Nach einem guten Jahr Untersuchung meldet sich nun die Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil (ACW) mit einer guten und einer schlechten Nachricht. Die gute: Der Eindringling überlebt den Schweizer Winter wahrscheinlich nicht. Ausser, und das ist die schlechte Nachricht: in Gewächshäusern. Denn diese Art der Nematoden – so der Fachbegriff für Fadenwürmer – mögen das Mittelmeerklima.
«Von Fadenwürmern weiss ich derzeit nichts», sagt Stephan Müller, Geschäftsleiter von Müller Gemüse in Steinmaur. «Wir haben in unseren Gewächshäusern bisher keine entdecken können, und auch von anderen Gemüseanbietern der Region habe ich noch nichts gehört.» Er nehme die Meldung aber ernst und wolle der Sache nachgehen, sagt er.
«Chinese» wird mit allem fertig
Zwar sind Fadenwürmer als solche nichts Neues. Doch der Chinesische Fadenwurm ist ein besonders schlaues Bürschchen: Er umgeht die natürlichen Resistenzmechanismen der Pflanzen. Und das längst nicht nur beim Gemüse. «Letztlich können sämtliche Pflanzen befallen werden, die Wurzeln haben», erklärt Sebastian Kiewnick, Projektleiter Nematologie bei ACW. «Der Wurm wurde schon bei Rosen aus China festgestellt, die deshalb nicht importiert werden konnten.»
Beat Thomann, Geschäftsführer der Blumenbörse in Wangen-Brütisellen, hört von «ZU»/«NBT» zum ersten Mal vom Chinesischen Fadenwurm – und will sofort ein Rundschreiben starten. «Bislang war das Phänomen für uns absolut unbekannt. Aber wir haben 45 Produzenten, die uns beliefern. Und wenn die Gefahr besteht, dann müssen wir diese natürlich sofort dafür sensibilisieren.»
Adrian Imhof, Inhaber der Imhof Gemüse in Hüttikon, hat bereits vom Thema gehört, hat in seinem Betrieb allerdings auch noch keinen der schädlichen Halbmillimeterwürmer gefunden. «Wir wissen nicht, wie der Wurm in die Schweiz gekommen ist», sagt er. Das sei bei Nematoden jeweils schwierig festzustellen. «Aber natürlich verfolgen auch wir die Entwicklung sehr aufmerksam.»
Ein Wurm soll in Quarantäne
Chinesische Fadenwürmer selbst sind von blossem Auge kaum zu erkennen. Hingegen zeigen befallene Pflanzen deutliche Symptome. «Der Gemüseproduzent wird letztlich ganz einfach feststellen, dass sein Gemüse immer kleiner wird», erklärt Sebastian Kiewnick, Projektleiter Nematologie bei der ACW (siehe kursiv). In der Schweiz sind es bisher zwei Fälle, in denen die Forscher aus Wädenswil den Chinesischen Fadenwurm konkret nachgewiesen haben – das heisst aber nicht, dass er nicht bereits verbreitet ist. «Bislang untersuchen wir die Proben aus Gewächshäusern erst dann im Labor, wenn eine kantonale Beratungsstelle einen Verdacht äussert», erklärt Kiewnick. Das geschehe in diesen Tagen noch verhältnismässig selten.
Ändern könnte sich das, wenn die Pflanzenschutzorganisation für Europa und den Mittelmeerraum (Eppo) zum Schluss käme, den Chinesischen Fadenwurm per 2010 als sogenannten «Quarantäneorganismus» einzustufen. Dann nämlich wäre der unliebsame Gast definiert als «schädliches Lebewesen, dessen Eindringen in ein Land zugunsten der Pflanzengesundheit verhindert werden soll». Spätenstens dann würde die Grossoffensive gegen den resistenten Fadenwurm lanciert sein.
Was der Fadenwurm so tut Mit 0,5 bis 0,6 Millimeter Länge zählt der Chinesische Fadenwurm zu den kleineren Arten der Klasse der Fadenwürmer. Das Wesen mit der korrekten Bezeichnung «Meloidogyne enterolobii» zählt zu den Nematoden und ist ein Parasit: «Der Wurm saugt den Planzensaft aus den Wurzeln», beschreibt Sebastian Kiewnick, Projektleiter Nematologie bei der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil (ACW).
«Die Pflanze verliert Energie, die Ernte fällt letztlich kleiner aus», zählt Kiewnick die Folgen auf. «Manche Pflanzen verwelken auch, weil sie nicht mehr mit ausreichend Wasser versorgt werden.» Gegen diese spezielle Art des Fadenwurms scheint im wahrsten Sinne des Wortes kein Kraut gewachsen zu sein: Er ist gegen jede pflanzeneigene Abwehr resistent. Laut Kiewnick gibt es die Möglichkeit, dem Tierchen mit heissem Dampf den Garaus zu machen – «nur ist das erstens ziemlich teuer und zweitens muss es regelmässig wiederholt werden, um den Schaden am Ertrag tatsächlich zu begrenzen». Ganz ausgertottet wird der Wurm dabei nämlich nicht. Im Übrigen sind auch chemische Bekämpfungsmassnahmen möglich, die den Bio-Produzenten allerdings sein Bio-Label kosten würden und schon deshalb nicht zu empfehlen sind. (flo) |
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