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SCHLAGZEILEN VOM DONNERSTAG, 09. SEPTEMBER 2010
Donnerstag, 11. März 2010
Triathlon Triathlet Jan Van Berkel trainiert in Abu Dhabi für sein Fernziel Olympia 2012
Winkler Wüstensohn zählt die Tage
Jan Van Berkel startet unter Palmen in die Triathlon-Saison. Mit seinem Team «Abu Dhabi» wirbt er im arabischen Emirat für den Sport – und zählt die Tage bis zu den Olympischen Spielen 2012.
Marisa Kuny
 
Im Aufbau: Jan Van Berkel will sich im Wüstenemirat Abu Dhabi optimal auf die Olympischen Spiele vorbereiten. (zvg)
 
Jan Van Berkel hat sich zum Jahresbeginn sozusagen selbst in die Wüste geschickt. Allerdings erwarteten ihn dort nicht Durst und Einsamkeit, sondern eine funkelnde Skyline, neue Teamkollegen und eine Tartanbahn in der Oase. Der bald 24-jährige Winkler Jura-Student gehört seit Januar zum internationalen «Tri Team Abu Dhabi» mit Stützpunkt im gleichnamigen Wüstenemirat. Kopf des Teams ist der Deutsche Faris Al-Sultan, Gewinner des Ironman Hawaii und bekannt dafür, dass er nicht taktiert, sondern das Wettkampfgeschehen mit Vorliebe selbst in die Hand nimmt. Ähnliches gilt auch für die Teamgründung: «Natürlich wird von mir verlangt, dass ich sportlich Akzente setze, doch die Persönlichkeit ist für Faris wichtiger», erzählt Van Berkel, der seinen neuen Mannschaftskollegen mit den irakischen Wurzeln im Höhentraining in St. Moritz näher kennengelernt hat.

Gesponsert vom Tourismusbüro

Mittlerweile ist Jan Van Berkel von seinen ersten Trainingswochen in Abu Dhabi nach Winkel zurückgekehrt – und mit ihm eine aufrichtige Begeisterung für Land und Leute. «Ich habe mich sofort willkommen gefühlt. Die Gastfreundschaft ist beeindruckend.» Und um sich unter Palmen abzustrampeln, dafür fliege man gerne ins Ausland, meint Van Berkel verschmitzt.

Die Infrastruktur ist vom Feinsten: Ausdauer wird im Wadi, einem ausgetrockneten Flusslauf, trainiert, und für die harten 200-Meter-Läufe gibt es eine eigens dafür hergerichtete Tartanbahn mitten in einer Oase. All das geht auf das Konto des staatlichen Tourismusbüros. Der Hauptsponsor unterstützt nicht nur das Triathlon-Team, sondern ist auch in der Formel 1 und im Motorbootsport gross eingestiegen. Van Berkel ist sich bewusst, dass er als Athlet einer Randsportart ein ausgezeichnetes Los gezogen hat. «Besser geht es kaum», sagt er, der den Namen «Abu Dhabi» in die Welt tragen soll. «Das macht mich stolz, bedeutet aber auch Verantwortung.»

«Jallah» aus dem grünen Cabrio

Das Wüstenemirat, dessen arabischer Name Abu Dhabi auf Deutsch «Vater der Gazelle» bedeutet, will seine rund 860 000 Einwohner mit seinen Vorzeigeteams animieren, etwas leichtfüssiger durchs Leben zu gehen. Mit dem Reichtum im Scheichtum können sich die meisten Leute zwar die angesagtesten Sportgeräte leisten. «Persönliche Fitness und der Wille, etwas durchzuziehen, ist dagegen unkäuflich. Und dafür sollen wir Vorbild sein», erklärt Van Berkel. Natürlich habe ihn der materielle Überfluss zeitweise irritiert, und eine gewisse Dekadenz will der Winkler dem Treiben im Erdölstaat auch gar nicht absprechen: «Ich persönlich halte einen Sicherheitsstreifen aus Palmen auf der Autobahn auch für eher unnötig», erklärt er lakonisch.

Doch Van Berkel will weniger werten, sondern vielmehr werben – für die Offenheit und Toleranz der Menschen. «Wenn ich rund um den Zürichsee mal kurz über den Velostreifen fahre, werde ich wütend angehupt.» Nicht so in Abu Dhabi. Beim Lauftraining fuhr dem Team ein grünes Cabrio entgegen. Die Insassen rufen «Jallah!», also Hopp auf arabisch, aus dem Fenster. Zehn Minuten später kreuzt dasselbe Auto wieder auf, bremst ab, und dann streckt der Fahrer den verschwitzten Triathleten eine Plastiktüte mit einer Flasche kühlem Wasser entgegen. Eine Anekdote, die für Van Berkel mehr ist als eine Zufallsbegegnung: «Es ist ein Sinnbild für die Begeisterungsfähigkeit dieser Leute – gerade für den Sport.»

Unterländer Weltenbummler

Am kommenden Wochenende hat das neue Team in der Wüste seine Feuertaufe – und den Applaus beim Heimrennen in Abu Dhabi wohl auf sicher. Danach folgen die Starts an den World Championship Series in Australien und Mexiko. Seine Familie in Winkel und seine Partnerin müssen in diesem Jahr besonders lange warten, bis sie den Weltenbummler wieder zu Gesicht bekommen. Wie seine Freundin das finde? «Ich kann dir gerne ihre Nummer geben …», antwortet Van Berkel schmunzelnd. Aber klar, es sei für beide eine Herausforderung, schiebt er nach. «Ich werde auch wenn immer möglich in der Schweiz starten.» Daran ändert weder die Verpflichtung im Emriat noch der Nationenwechsel zu Holland etwas.

Nach dem Knatsch mit dem Schweizer Verband um die Werbeflächen auf den Trikots hat Van Berkel vergangene Saison die Farben gewechselt. Damals hat der Winkler schnell eine deutliche Ansage gemacht und seinen Entscheid gradlinig durchgezogen, und genauso zielstrebig verfolgt er nun seinen Weg Richtung London. Dort finden 2012 die Olympischen Sommerspiele statt, dort will Van Berkel am Start stehen. Bis dahin zählt er die Tage: «Heute sind es noch 868 bis zur Eröffnung», erklärt er lächelnd. Es stimmt bestimmt.
 
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