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SCHLAGZEILEN VOM DONNERSTAG, 09. SEPTEMBER 2010
Donnerstag, 11. März 2010
Unterland Die Krise hat die Talsohle erreicht – doch aufwärts geht es noch nicht
Wenn Kurzarbeit länger dauert
Über 700 Betriebe im Kanton haben letztes Jahr Kurzarbeit eingeführt, darunter auch Bucher Industries. Die Lage entspannt sich zwar jetzt, doch der Aufschwung lässt im Unterland auf sich warten.
Dominique Marty
 
Sprunghaft steigt die Kurzarbeit im Jahr 2009 im Kanton Zürich an. Im Juni 2009 sind über 9500 Frauen und Männer von Kurzarbeit betroffen, die in über 700 Betrieben beschäftigt sind. (Quelle Seco / Grafik ZU/NBT)
 
Die Banken schreiben wieder Gewinne, die Arbeitslosenzahl ist leicht rückläufig («ZU»/«NBT» von gestern) und einige Analysten erklären bereits das Ende der Krise. So richtig mag dieser Einschätzung im Unterland allerdings keiner folgen, wie eine Umfrage unter Wirtschaftsführern zeigt. «Die Konjunktur geht zwar nicht mehr weiter runter», sagt Philip Mosimann, Konzernchef der Bucher Industries, «doch das heisst nicht, dass die Lage jetzt gut ist. Die Wirtschaft hat sich auf einem tiefen Niveau eingependelt, ein Aufschwung ist nicht in Sicht.»

Auch ein Blick in die Kurzarbeit-Statistik des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) zeigt, dass sich hier zwar eine rückläufige Tendenz abzeichnet (siehe Grafik), von Erholung kann jedoch keine Rede sein. Noch immer reichen jeden Monat über 100 Betriebe allein im Kanton Zürich vorsorglich Anträge auf Kurzarbeit ein. Im Dezember verzeichnete man beim Kanton 201 Neuanmeldungen, im Januar waren es 111 und im Februar 123.

Im Juni 2009 war die Spitze erreicht: Über 700 Betriebe haben im Kanton Zürich Kurzarbeit eingeführt, betroffen waren davon über 9500 Männer und Frauen. Zwar flachte der Wert anschliessend leicht ab, blieb aber bis im Oktober mit rund 8000 Betroffenen relativ hoch. Im November waren noch rund 4400 Leute von Kurzarbeit betroffen. Zum Vergleich: Vor der Krise, im Juni 2007, hatten vier Betriebe im Kanton Zürich Kurzarbeit eingeführt, fünf Personen waren davon betroffen.

Der Weg führt erst geradeaus

Von den Unterländer Firmen hat beispielsweise der Bucher-Konzern im vergangenen Jahr in einzelnen Geschäftsbereichen mit Kurzarbeit auf die Krise reagiert. «Sowohl bei Bucher Hydraulics als auch bei Bucher Foodtech in Niederweningen mussten wir Kurzarbeit einführen», sagt Philip Mosimann. Seit vergangenem Herbst sind rund 50 Mitarbeiter des Geschäftsbereichs, der Anlagen für die Fruchtsaftproduktion herstellt, von Kurzarbeit betroffen – jeweils in einem Pensum von 20 bis 30 Prozent. «Ein Ende können wir hier noch nicht absehen, wir müssen abwarten, wie sich die Bestellungen entwickeln», erklärt der Konzernchef. Im Bereich Hydraulik hingegen erhole sich die Konjunktur bereits langsam: «Voraussichtlich im April können wir hier die Kurzarbeit wieder aufheben.»

«Kurzarbeit ist für Kaba in der Schweiz im Moment kein Thema, und sie steht auch nicht bevor», sagt Jean-Luc Ferrazzini, Kommunikationsleiter von Kaba in Rümlang. «Der Firma geht es in der Schweiz gut, die Wirtschaftskrise war in der Bauindustrie nicht sehr ausgeprägt. Wir standen zwar etwas unter Druck, aber nicht stark.» Vorbei aber sei die Krise nicht: «Die Talsohle ist wohl erreicht, wir laufen jetzt geradeaus, aufwärts geht es noch nicht.»

Ähnlich sieht das Rudolf Stüssi von der Stüssi Betonfabrikation in Dällikon. «Die Unsicherheit bleibt, für mich ist fraglich, wie nachhaltig die Verbesserung der Lage ist, die sich in den Statistiken abzeichnet.» Zudem habe die Baubranche einen verzögerten Zyklus: «Für 2010 machen wir uns noch wenig Sorgen über Einbussen. Wie es aber danach aussieht, ist in der Branche unklar.»

Kurzarbeit
Um Kündigungen zu verhindern, haben zahlreiche Betriebe Anträge für Kurzarbeit gestellt. Sie können das Pensum von Mitarbeitern reduzieren, wobei die Arbeitslosenkasse 80 Prozent des Lohnausfalls bezahlt. Längstens 24 Monate kann ein Betrieb auf Kurzarbeit umstellen.
 
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